Hi,
Zitatallerding hatte ich am Ende des Tests keine Ahnung mehr, was ich da gerade gelesen habe.
Für die Anwendung, für die dieses "Lesen" gemacht wurde, nämlich KURZE Texte auf kleinen Displays darzustellen (SMS, Twitter, FB usw) ist das auch kein Problem, da der sinnige Inhalt bei SMS und anderen Kurznachrichten sowieso gegen 0 geht
Schnell Lesen und schnell Verstehen (Lernen) sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe und haben NICHTS miteinander zu tun.
Simpler Test:
20 zufällige Wörter aufschreiben und eine Minute anschauen.
Dann 5 Minuten SCHNELL eine körperliche Tätigkeit ausführen, also Liegestütze, Treppen hoch und runterrennen, Stepper quälen, egal was, nur körperlich auspowern.
Danach die "gemerkten" Wörter aufschreiben.
Nun diese Aktion wiederholen, also 20 andere Wörter eine Minute per 500wpm "spritzen" lassen.
Wieder auspowern, gemerkte Wörter aufschreiben und zählen, und daraufhin den "Sinn" von Spritz & Co verstehen ![]()
ZitatGibt es Studien darüber, ob sich das Gehrin den Inhalt eines Textes bei steigener Lesegeschwindigkeit schwerer oder sogar leichter merken kann?
Ja natürlich!
"Lesen" ist ja nicht das aneinanderreihen von Wörtern, sondern die Fähigkeit, die Struktur und Inhalt des gelesenen Satzes bzw. mehrerer Wörter per Gehirn zu analysieren und entweder für den kurz- oder langfristigen Gebrauch abzuspeichern.
Dabei entsteht bei "Viel-Lesern" ein von ihnen nicht mehr wahrgenommener Automatismus. Der Text wird, wenn nicht "auf den ersten Blick" verstanden, einfach (vom Leser unbewusst, aber anhand von Eye-Tracking nachgewiesen) nochmal "gelesen", im Sinne von analysiert und abgespeichert. Gerade bei längeren Texten, also ganzen Büchern, muss der gelesene Satz in einen Kontext zur bisherigen Geschichte gebracht werden. Bei vielen Passagen bspw. eines Romans beansprucht der Autor die Phantasie des Lesers. Dieser Leser hat bei einer VORGEGEBENEN Lesegeschwindigkeit von bspw. 400-500wpm garkeine Zeit mehr für diese "Phantasie", das Gehirn blendet für uns "unwichtige" Informationen entweder komplett aus, oder speichert diese im Kurzzeitgedächtnis ab, wo sie dann, wie bei einem FIFO, bei nächster Gelegenheit (also kurze Zeit später) wieder ersetzt werden....
Ergo werden wichtige Textpassagen, genauso wie die unwichtigen, während spritz/spreed gleich behandelt! Eine üble Sache, wenn man von dem Roman etwas Spass, Anregung und sogar ENTSPANNUNG erwartet.
Zusammenfassend, ja, Spritz und Co sind eine Möglichkeit, schnell Wörter lesen zu können. Das ist aber keine große Kunst, in jedem Film/Video/Computerspiel werden uns mindestens 25 FPS mit wesentlich mehr Informationen "aufs Auge" gedrückt. Und die Entwicklung der letzten Jahre, Szenen immer schneller zu schneiden und die Sprechgeschwindigkeit (gerade bei amerikanischen Serien) zu erhöhen ist ja nicht grundlos.
Der Konsument wird, wie oben beschrieben, dazu genötigt, permanent dem Geschehen zu folgen. Im Fernsehen deshalb, weil er die Zeit bis zur nächsten Werbepause vor der Glotze gefesselt werden soll.
Die Frage ist, wer möchte bspw. den "Herrn der Ringe" gespritzt/gespreedet lesen? Und, das ist die eigentliche Frage, warum?